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Februar 2012
 
MO DI MI DO FR SA SO

Auf den Punkt gebracht


In unnachahmlicher Weise bringt unser Orchestermitglied Heinrich Menning Erlebnisse und Begebenheiten aus dem Orchesteralltag und nach Konzerten in Reimform zu Papier.



Im November 2010:

 

Liebes Orchester, liebe Freunde,

Ihr alle, liebe Festgemeinde!

 

Man ahnt gelegentlich: Vergeblich

ist vieles und so unerheblich...

Da müht man sich und strengt sich an

und macht und tut, was man halt kann -

und kann doch letztlich nicht vermeiden,

sich - fast nicht seufzend - zu bescheiden.

Man ist – ich sag’ das jetzt mal so –

im großen ganzen leidlich froh...

Gebt’s zu: So oft sind wir hienieden

hundertprozentig  halbzufrieden ...

Zu vieles ist uns einerlei...

Besonders nur: Konzert vorbei,

es war wohl ziemlich wunderbar...

Euphorisch... müde jetzt... na klar...

 

„Inflected constant“ zu Beginn

ein jeder ahnt den tiefen Sinn...

Ward ein Begleittext komponiert,

wie selten er’n Programmheft ziert...

Marimbaphon ist wunderschön

zu hör’n, vor allem anzusehn,

mit vielen Röhren an der Zahl...

Erstmalig Pauke mit Pedal...

Das Bratschensolo... schöne Flöten...

Trompeten kunstvoll f- fis tröten...

Die Streicher und die Bläsergilde

erkannten neueste Gefilde...

Die kleine Trommel unvergleichlich...

Fermaten-Pausen gab es reichlich...

Ich stelle fest mit großer Rührung:

S’war meine erste Uraufführung.

Tavili, Glückwunsch! Wie ein Kuss

von ferne: Luftnummer zum Schluss...

Ein Sechs-Minuten-Hochgenuss.

 

Und Jochen sprach dann an dem Orte

des Dankes wohlgesetzte Worte:

Kulturhauptstadt 2010,

wie unser Beitrag ist zu sehn...

dass Gladbeck uns zu bieten hat

auch außerhalb  Kulturhauptstadt...

 

Dann das Klavierkonzert c-moll...

die Nummer 2... romantisch-toll...

Rachmaninow, russische Seele...

rubato-stolz, und ich verhehle

nicht: Schwermut, Wodka, Kaviar -

für Ewigkeit’ Musik gebar...

Ich werd’ mein Lebtag nicht vergessen,

wie wir mit Alexej gesessen

in unser’m Forum-Probenraum.

Er spielte und – man glaubt es kaum –

dass jede Stimme er uns sang,

damit Orchester richtig klang...

Er half uns mit beseelten Händen,

dass wir den Einsatz endlich fänden...

(Zwar Florian gab die Eins präzise,

nur: oftmals übersah’n wir diese.)

Heut’ das Konzert: Ich kann nur schweigen,

Dir uns’re Hochachtung zu zeigen...

Mit Dir zu spielen – welch ein Glück...

wie Ewigkeit... O Augenblick,

du bist so schön... Noch schwelgen wir,

Maestro! und wir danken Dir.

 

Dann Hayrapets und Carmens Tanz,

Erotik pur und feuchter Glanz,

das transponiert in Klang und Ton...

Er fummelte am Saxophon...

unglaublich toll und immer schneller,

Klangfarbe dunkel bis viel heller...

Und wir, Orchester, wie ein Bett

auf Achterbahn... Es war schon nett,

so wild und übermütig... scham-

los. Florian rief: „Komm!“ - Carmen kam…

barfüßig aus dem Instrument,

wie man bisweilen Carmen kennt...

sie tanzt’ lasziv durch Traum und Wahn –

das hat uns Hayrapet getan.

Zugabe Piazolla und

sein Tango – Tango ist gesund....

Mein lieber Hayrapet, so jung,

mit solchem wunderbaren Schwung

sollst Du die Bühnen dieser Welt

erobern bis zum Himmelszelt.

Wir unsrerseits woll’n niemals wanken

aus tiefstem Herzen Dir zu danken.

 

Die Meistersinger unvergleichlich...

Wir kennen dies Gehabe reichlich,

das gab’s und gibt’s zu allen Zeiten

das Spiel männlicher Eitelkeiten...

Ein jeder protzt so gut er kann

und rollt die Schultern, Mann-o-Mann....

Bescheidenheit haut nicht vom Hocker...

Man redet „freundschaftlich“ und „locker“...

Der eine schreit, der nächste lauter,

dem dritten auf die Nase haut er,

der vierte übt sich am Expander

und alle rufen durcheinander.

Ein Auftritt, lärmend und pompös,

die haben Muckis im Gekrös’...

So war’s. Zum Abschluss Doppeltakt –

Wir hab’n das Publikum gepackt....

Zugabe wie erstmals in Marcq....

Standing ovations ... war schon stark...

 

Wir haben Glücklichsein versprüht,

ganz kompromisslos, und das blüht

und glüht noch lang’ in vielen Seelen,

und wem das fehlt’, der müsst’ es stehlen...

Es war die Mühe nicht vergeblich,

fürwahr, kein Ton war unerheblich,

und kein Klang läppisch, einerlei...

Gewiss, es stimmt: Konzert vorbei,

doch es stimmt auch: Wir war’n dabei!...

Und wird in alle Zukunft klingen

und tief in uns’rem Innern singen.

Für all das, Florian, ohne Schranken

woll’n wir ganz herzlich uns bedanken.

So vieles haben wir gemacht

in diesem Jahr, soviel vollbracht...

Die Saint-Vincent – das kostet’ Kraft,

gemeinsam haben wir’s geschafft...

Jörg Lopper (schöne Grüße bitte!)

gehört’ so recht in uns’re Mitte...

Konzert... Trompete... in Es-Dur

von Haydn... und ich sage nur:

der Mendelssohn... Hybriden... dann

die Italienische, das kann –

ich lob’ uns nicht über Gebühr! -

kaum ein Orchester so wie wir.

Der Austausch mit Arcangelo...

Du bist – ich sag’ das jetzt mal so –

für uns ein Glücksfall, und ich mein’:

Du kannst mit uns zufrieden sein!

 

Viel gäb’s zu sagen und zu zeigen...

Doch dieser Vers soll sich jetzt neigen

zum Ende... Nur noch einen Satz:

Orchester.... dies Orchester hat’s

mit klugem Wollen, guter Kraft

mal wieder großartig geschafft...

So wunderbar ist es gelungen,

es hat so wunderbar geklungen,

belohnt ward unser aller Streben:

Hoch soll unser Orchester leben!

 

Auf unser Wohl!


                                Heinrich Menning




Im November 2008:


Beiläufig will ich zu Euch sprechen,

vermeiden jedes Radebrechen,
nur sagen, wie es wirklich war,
ganz kurz und sachlich: Wunderbar!
Im Ernst, ich will nicht übertreiben,
den Ablauf kritisch, knapp beschreiben...

Auf dass es ins Konzert einführe,
begann’ wir mit der Ouvertüre
zu Mozarts Titus. In der Kürze
lag hier – wie oftmals – gute Würze.
C-Dur, mannhaft fortissimo,
anpackend, voller Schwung und froh.
Auch sanft piano, wie’s gehört,
dass zuviel Drang nicht gar verstört.
So haben – sag’ ich unbeklommen
wir alle für uns eingenommen,
das Publikum wusst’ gleich Bescheid
und war zu Applaus gern bereit,
denn jeder dachte: Das war toll!
Was jetzt noch kommt, wird wundervoll!

So war’s dann auch. Der Vorstand froh,
dass alles ausverkauft ... und so...

Dann der Gesang der Klarinette
mit Harald Henrichs. Und ich wette:
noch immer hörn wir’s leise klingen,
dies A-Dur warm und leuchtend singen.
So ganz von fern und aus der Tiefe
als ob der Himmel Trost uns riefe.
Das war so freudig und so fein,
traurig-ergreifend – und ich mein’:
mit Harald Mozart musizieren,
für uns war das wie... Jubilieren!
Da hat wohl nichts, gar nichts! gefehlt!
Und jeder spürt’: Wir war’n beseelt.

Dann Pause. Dann Beethovens Dritte,
Es-Dur. Eroika. Ich bitte,
erinnert Euch, dass alle sagten:
„Das ist zu hoch für Euch!“ und klagten
„Wie kann man nur... das geht doch nicht“.
Jetzt sag’n wir denen ins Gesicht:
„Auf Florian Meyer-Langenfeld,
reimt stets am besten: „Himmelszelt!““
Drum hab’n wir den Olymp bezwungen –
es war ... titanisch hat’s geklungen!
Prometheusthema, Trauersang...
das Scherzo virtuos gelang...
Finale, die Synthese dann,
wie das nur ein Orchester kann,
das sicher zum Triumphe schreitet,
dieweil es von Dir angeleitet.

Zugabe „Titus“, ganz spontan.
Der Kreis vollendet... Florian,

ich wollt’ nicht viele Worte machen.
Zu viele Worte – sind zum Lachen.
Nur eine Selbstverständlichkeit,
für die nehm’ ich uns kurz noch Zeit:
Gestatte, mit Verlaub, dass wir
von ganzem Herzen danken Dir
und wünschen, dass wir uns verstehn.
So soll es „ewig“ weitergehn...

So soll es sein.

                                Heinrich Menning




Im November 2007


Ich grüße Euch, Freitagsgemeinde,
Ihr liebgetreu’n Orchesterfreunde!
Gestattet, dass an wertem Orte –
im Forum, Probenraum – paar Worte
ich Euch bedeutungsschwer verkünde
und alsbald in ein Fazit münde.

Habt keine Angst! Woll’t nicht erschrecken…
Wir müssen keine Wunden lecken…
Na ja, mein Gott… und blieben Fragen,
wir dürften uns zumindest sagen
mit analytisch-scharfem Blick
und angemess’ner Selbstkritik,
(wenn wir die richt’gen Worte fänden,
die Botschaft fruchtbringend zu senden),
wie dieses war und jenes lief…
Ich denk’, wir sollten objektiv
uns eingesteh’n und anerkennen
und das Erkannte frei benennen; -
dass nämlich – ob in Dur, ob Moll -
wir schlichtweg waren… wundervoll!
So unterirdisch-irdisch und
mit allen Himmeln im Verbund!

Wir schauten die Hebriden-Geister,
im Sturme wurden wir ihr Meister.
Erinnert Euch, das war nach „G“:
Wild überschäumend tobt’ die See…
Trompeten, Pauken trieben an,
wie Mendelssohn das einst ersann.
Vivace und fortissimo –
Wir kämpften, bis errettet, froh
(von ferne Klarinettenklang,
ersterbend auch der Flötensang)
wir schaudernd hingehaucht zum Schluss
der Streicher Pizzicato-Kuss.

Klavierkonzert dann in c-moll:
Der Beethoven – wir waren toll,
von Alexej so tief  beseelt,
dass mir das rechte Wort jetzt fehlt.
Wir hatten wahrlich hoch gezielt.
Jetzt stell’ ich fest: Ich hab’ gespielt,
wir hab’n gespielt mit solchem Mann,
der alle Welt verzaubern kann.
Ein Engel, doch aus Fleisch und Blut,
und jeder kleinste Ton tat gut.
Mit dem zu spiel’n …! Wir sind so stolz!
So’n  Flügel ist Metall und Holz
und schwer: Mit Alexej gelang,
dass alles leicht war, nur noch: Klang.
(Mein Enkel Alexander tief-
beglückt und selig-säuselnd…  schlief.)

In Amadeus’ Kutsche dann…
Das war bei Linz und irgendwann…
Und wär’s gewesen irgendwo:
Am 11.11. war es so
(ich sag’s bescheiden und ganz offen),
dass wir den Genius selbst getroffen.
Als Interpreten auserwählt
hat Mozart uns… Und hat erzählt,
und sprach vergnügt mit uns und ehrlich,
wie’s Kutschenreisen arg beschwerlich
in jener Zeit gewesen sei.
Wir wissen das: Wir war’n dabei.

Zugabe: Grieg. Ganz sacht getragen,
verlöschend, und kaum kann ich’s sagen,
weil’s  irgendwie mir widerstrebt:
Wir haben Åses Tod gelebt.

So war’s. Vorbei. Und alles aus.
Ganz großer Beifall und Applaus.
Das Publikum – zu Recht begeistert,
wie wir solches Konzert gemeistert…
Nicht nur: „Wir haben es geschafft!“
Ganz wichtig auch: „… aus eig’ner Kraft!“.
Mit Florian Meyer-Langenfeld
erstürmten wir das Himmelszelt!
Ich platzte schier vor Glück… Erbarmen!
Die ganze Welt tät’ ich umarmen…!
fühlt sich so … musikalisch… an…

Das, Florian, hast Du getan!
Drum möcht’ ich gerne mich erwärmen,
von Dir, uns allen! jetzt zu schwärmen.
Doch and’rerseits, mir  würde bang:
So’n Lobgedicht geht stundenlang!
Nur eines ohne Zögern, Schwanken:
Wir alle woll’n Dir herzlich danken
für Deine Mühen, Dein gewisses
und punktgenaues Lob: „Das isses!“
Ermahnung auch, denn - „Herr im Himmel!“ –
die Geigen zupften Pizz - Gewimmel…
Wir Celli hab’n Dich nie betrübt.
Das liegt daran: Wir hab’n geübt!

Na ja… wie immer dem auch sei,
zuletzt ist kein Ton einerlei…
Und hat so wunderbar geklungen.
Es war ein Fest. Es ist gelungen.
Gemeinsam haben wir begonnen.
Gemeinsam haben wir gewonnen…
Es war … „unglaublich“! Es war schön.
Gemeinsam soll es weitergeh’n.

                                       Heinrich Menning




Im Oktober 2006


Es ist vorbei! Liebe Gemeinde,
Ihr alle hier, Orchesterfreunde:
Orchester Gladbeck hat gespielt
und hatte – wahrlich! - hochgezielt.
Der Weg – nicht immer unbeschwerlich…
Lasst kritisch uns gesteh’n, und ehrlich
in Demut und Bescheidenheit
uns sammelnd, ja, es ist wohl Zeit,
und nichts verschweigend zu benennen,
wie wir, was gerade war, erkennen…

Ich weiß kaum, wie ich’s sagen soll,
ich weiß nur eins: Wir waren toll!
Wir waren wirklich wundervoll!
Jetzt sind wir stolz: Es ist gelungen
und hat so wunderbar geklungen!

Bach, Brandenburg… nur ein Wort, weil:
Das Stück… das Stück ist einfach geil!

Die Bläser dann, unser Dezett…
zu sagen, das war auch ganz nett…
nein! Feinfühlich habt Ihr gelockt,
ich sag mal so: Ihr habt gerockt!
Ihr liebt, wir lieben solch’ Gounot!

Und dann – wir sind ganz herzlich froh –
Trompeter Jörg… Ich sage nur:
Da strahlte Haydn in Es-Dur!

(Jörg ist nach Dubai vorgeflogen –
Da spiel’n wir nächstens, ungelogen!
Das hat der Vorstand schon verkündet,
mal sehn, wohin das alles mündet…)

Zum Abschluss Schuberts Symphonie:
Die Fünfte lebte! Euphorie!

Wir, gladbecker Philharmonie,
wir sind, hieß es,  „begabte Laien“ –
die WAZ verlieh uns solche Weihen.
A la bonheur! Und wenn wir üben,
werd’n wir kein Publikum betrüben.

Dank dem, der uns’re Glut entfachte,
zum Üben und zur Kunst uns brachte,
der uns begeisternd sein gewisses
und überzeugendes „Das isses!“
aus sicherer Erkenntnis rief…
Da wussten wir: Nichts ist mehr schief,
jetzt wird der Gipfel bald erklommen;
denn eins war klar: Olymp, wir kommen!
Fürwahr, Du hast Dich nicht geniert,
hast vielfältig uns motiviert…
beehrend Klausens stolze Glatze
mit einem zugeneigten Schmatze!
Jedem gebührlich nur das Seine…
Maestro, weißt Du, was ich meine?

Mein lieber Florian, hab Dank!
Ja, ich gestehe frei und frank:
Am liebsten möcht’ ich mich erwärmen,
von Dir, von uns, noch lang’ zu schwärmen!
Doch wär’ ich auch der Worte König:
Ich weiß ja, Worte sind zu wenig…

Will drum beschließen meine Strophen
mit Heraklit, dem Philosophen,
der einstens, von Musik beschwingt,
der Welt bekannte: Alles klingt!

Danke!

                                   Heinrich Menning


 
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